Zur Geschichte von Chocolat Grison
In Kürze
Wie mich die Geschichte von Chocolat Grison und mein Urgrossvater, der Churer «Schoggi-Chemiker» C.G. Bernhard, Erfinder eines bekömmlichen Kakaopluvers und Mitgründer der ersten Schokoladenfabrik in Graubünden, «Müller & Bernhard», zu einem Schokoladenkrimi inspirierten.
Die Geschichte der fiktiven "Chocolat Grison" in meinem Roman ist frei erfunden ebenso wie es die Figuren und ihre Abenteuer sind.
Die Geschichte der realen Chocolat Grison beginnt mit meinem Urgroßvater, Carl Georg Bernhard (CGB), Sohn des Churer Staatsanwalts und Bürgermeisters, Georg Orion Bernhard und Emmeline Bernhard-Caviezel:
Nach seinem Studium als Chemiker war CGB in Kiel, Manchester und London tätig, bevor er ins Geschäft seines Onkels, Johann Rudolf Caviezel in Riga im damaligen Zarenreich eintrat. Caviezel, Abkömmling erfolgreich ausgewanderter Bündner Zuckerbäcker hatte die Konditorei zum florierenden Wein- und Kolonialwarenhandelsgeschäft "Schaar & Caviezel" ausgebaut. So entdeckte CGB dort nicht nur das Zuckerbäckerhandwerk, sondern auch die Kakaobohne, deren Eigenschaften er akribisch untersuchte. Er entwickelte verschiedene Kakaopulver- und Schokoladenrezepturen. Sein neues Wissen wandte er anschliessend als technischer Leiter bei der Schokoladenfabrik David Sprüngli & Sohn in Zürich an sowie bei Brödrene Cloetta in Malmö, dem ersten industriellen Schokoladenproduzenten in Schweden. In Malmö lernte CGB auch seine spätere Gattin, Christina (Stina) Andersson kennen.
CGBs bekömmliche Trink-Kakaos wurden bereits zu seiner Zeit bei Sprüngli & Sohn vom Staatschemiker als „absolut rein garantirt" und vom Chefarzt des Bürgerspitals Luzern als „gern genommenes, nahrhaftes Präparat“ sowie zur Verwendung bei „Entfettungscuren und Diabetes“ empfohlen (vgl. die betreffenden Atteste und Etiketten in der Galerie). Mit seinem gesunden Kakaopulver erlangte mein Urgroßvater eine gewisse Bekanntheit, was vermutlich zur Begegnung mit dem Kaufmann Charles Müller-Hähl und zur Gründung der Kakao- und Schokoladenfabrik «Müller & Bernhard» führte.
Auch Charles Müller-Hähl war weit herumgekommen: Sein abenteuerlicher Weg führte ihn als jungen Schaffhauser Kaufmann von Paris über Singapur auf die indonesische Insel Sumatra, wo er unter widrigsten Umständen fünf Jahre lang eine Tabakplantage leitete. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in Chur nieder und heiratete Anna Hähl, die jüngste Tochter des damaligen Besitzers des noch heute existierenden und für seine Kult-Cordon bleus berühmten Gasthaus Gansplatz. Wer weiss, vielleicht haben sich die beiden Schokoladenpioniere damals auch im Gasthaus Gansplatz getroffen, um ihre Pläne zur Gründung einer Schokoladenfabrik zu besprechen.
Bei Müller & Bernhard kümmerte sich mein Urgroßvater um die Schokoladenproduktion und die Entwicklung neuer Kakaopulversorten wie den entölten Eichelkakao, einen Saccharin-Cacao und den auch im Schokoladenkrimi erwähnte Haferkakao »Weisses Pferd«. Sein als „bestes und gesündestes Morgengetränk" gelobter Haferkakao wurde über 120 Jahre später als Vorläufer der Ovomaltine bezeichnet (Medizinische Sammlung der Universität Zürich, Objektgeschichten-Blog 14.04.2020; aus diesem Artikel stammt auch das Foto der Schachtel Reiner Hafer-Cacao, Marke: Weisses Pferd; Aufdruck auf Deckeloberfläche, Inventarnummer 17814; © Institut für Evolutionäre Medizin).
Zehn Jahre nach der Gründung verkaufte CGB seine Anteile an «Müller & Bernhard». Müller-Hähl führte die Firma allein fort, und benannte sie in «Chocolat Grison» um. Chocolat Grison wurde zu einer führenden Schweizer Schokoladenmarke. Die «Kernbeisser» war das beliebteste Produkt. Später übernahm Müller-Hähls Sohn, Carl Hans Müller die Leitung der Fabrik bis sie 1961 an die Firma Lindt & Sprüngli verkauft wurde. Lindt & Sprüngli produzierte weiterhin Chocolat-Grison-Produkte bis der Name 1971 verschwand. 1997 wurde die Fabrik geschlossen und 2006 verfiel der Markenschutz von «Chocolat Grison». 2016 entdeckte der umtriebige Bündner Jurist Patrick Kohler die herrenlose Marke. 2018 ließ er unter der neu eingetragenen Marke die ersten Produkte von einem Chocolatier in Flims herstellen, 2025 gründete er mit seinem Sohn Fabio die (neue) Chocolat Grioson AG und im März 2026 eröffnen sie den ersten Chocolat Grison Flagship-Store in Chur.
Patrick Kohler hat mir aufgrund unserer geschichtlichen Verbindung erlaubt, seinen Firmennamen in meinem Schokoladenkrimi zu verwenden.
Mit Patrick und Fabio Kohlers neuer Chocolat Grison wird die Erfolgsgeschichte der beiden Schokoladenpioniere Müller und Bernhard weitergeschrieben und die Bündner Schokoladentradition reaktiviert! Mehr zur neuen Chocolat Grison von Patrick und Fabio Kohler hier: Chocolat Grison
Carl Gerog Bernhard war nach seinem Ausscheiden aus der Firma als selbstständiger Berater für verschiedene Schokoladenfabriken tätig und ließ zu Ehren seiner schwedischen Gattin Christina die Villa »Svea« bauen, die heute als Kulturgut geschützt ist.
Als ich vor einigen Jahren die Villa Svea räumte, stieß ich im Dachgeschoss auf Kisten und Mappen voller Rezeptbücher, Kakaoetiketten, Verträge, Geschäftskorrespondenz, Reisepässe, Zeitungsartikel, Diplome, Arbeitszeugnisse, Patentanmeldungen und weiterer Dokumente über CGBs vielseitigen Aktivitäten. Fasziniert vom Leben und Wirken meines Urgroßvaters realisierte ich, dass sich darin Stoff für einen Roman verbirgt. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich dieser beeindruckenden Persönlichkeit gerecht werden konnte. Vielleicht in einer Biografie, aber bestimmt nicht als ambivalente Hauptfigur in einem Schokoladenkrimi! Doch mit der historischen Nebenfigur von Hansjakob Bernhard und beim Beschreiben von Serafines Vater, dem Chemiker und Kakaopulvertüftler Emil Montalin, hatte ich ganz klar meinen Urgroßvater vor Augen.
Die auf dem Dachboden gefunden Dokumente, Fotos, Urkunden etc. habe ich ins Stadtarchiv Chur gebracht, wo sie von Stadtarchivarin Katharzyna Mathis über mehrere Jahre minutiös sortiert aufgearbeitet wurden. Im Dezember 2022 erschien dazu eine von Frau Mathis kuratierte Ausstellung: Ausstellungstafeln
Von «Müller & Bernhard» zu «Chocolat Grison»
Die ersten vier Bilder sind von der Ausstellung des Churer Stadtarchivs über Carl Georg Bernhard, den "Schoggi-Chemiker". Das helle Vintage-Plakat "Müller & Bernhard" befindet sich im Besitz der Kantonsbibliothek Graubünden. Die Etiketten habe ich auf dem Dachboden der Villa Svea in Mappen meines Urgrossvatres gefunden. Die Originale befinden sich heute im Stadtarchiv, Chur. Das gerahmte Foto zeigt meinen Ugrossvater mit meinem Vater und meinem Onkel. Das letzte Foto ist von meinem ersten Treffen mit Patrick Kohler.
Plakate © ARTIFICHE AG, Vintage Poster Art